Pfarr- und Wallfahrtskirche Mariae Geburt
Apostolat der Priesterbruderschaft St. Petrus



 

 

 

Das Werk des Erlösers (II)

„Christus hat euch geliebt und sich für uns hingegeben“ schreibt der heilige Paulus (Eph 5,2), ja sogar: „Er hat mich geliebt und sich für mich dahingegeben“(Gal 2,20). Damit wird betont, daß Jesus Sein Leben bewußt für die Seinen, ja sogar für den je einzelnen Menschen hingegeben hat. Diese Grundwahrheit unseres Glaubens stößt in der neueren Theologie weithin auf Ablehnung: Im Zusammenhang mit dem Kreuzestod könne von einem bewußten Opfer nicht die Rede sein – und schon gar nicht davon, der Gekreuzigte habe dabei die einzelnen Menschen vor Augen gehabt; ebenso sei eine leibliche Auferstehung aus dem Grab heute nicht mehr akzeptabel. Doch an diesen Wahrheiten hängt der ganze christliche Glaube; ohne sie ist er nichtig und sind seine Prediger falsche Zeugen, die Zeugnis wider Gott ablegen (1 Kor 15,14f.); wir würden eine falsche Hoffnung auf Christus setzen und wären „die bedauernswertesten unter allen Menschen.“(15,19) –  Dagegen ist wahr:

 

Jesus hat sich am Kreuz freiwillig als Erlösungsopfer dargebracht.

Die Freiwilligkeit Seines Opfers geht aus Seinen eigenen Worten hervor. Er sagt von sich, Er sei gekommen „zu dienen und Sein Leben hinzugeben als Lösegeld für viele“ (Mt 20,28). Somit stand Jesus Sein Opfertod und dessen Sinn klar vor Augen. Die dreimalige Leidensankündigung (Mt 16,21ff.; 17,22ff.; 20,17ff.) zeigt überdies, daß Er vorher sehr wohl schon die Einzelheiten Seines Leidens und Sterbens und die Auferstehung im Blick hatte.

Nach dem Johannesevangelium „wußte Er, daß Seine Stunde gekommen war, aus dieser Welt zum Vater hinüberzugehen.“ (13,1) Er nennt sich den Guten Hirten, der Sein Leben für die Schafe hingibt: „Niemand nimmt es mir, sondern ich gebe es freiwillig hin. Ich habe die Vollmacht, es hinzugeben, und habe die Vollmacht, es wieder zu nehmen.“ (Joh 10,18) Auch das Wort des heiligen Paulus über den Gehorsam Christi bis zum Tod am Kreuz (Phil 2,8) setzt voraus, daß Er wußte und wollte, was Er tat. Nur dann trifft ja auch auf Sein Sterben das Wort zu, niemand habe eine größere Liebe, als wer sein Leben für die Freunde hingibt (Joh 15,10). Die Liturgie der Kirche stimmt also völlig mit der Heiligen Schrift überein, wenn sie in der Passionszeit betet: „Hingeopfert wurde Er, weil Er selbst es wollte.“

 

Am Kreuz hat Jesus unsere Sünden getilgt und den Vater unendlich verherrlicht.

Das Sterben Jesu wird von der Heiligen Schrift eindeutig als Sühneleiden für die Sünden der Menschen bezeugt. Schon in den messianischen Weissagungen des Alten Testamentes ist die Rede von dem gerechten Gottesknecht, auf den die Krankheiten und Schmerzen, die Schuld und die Strafen Seines Volkes gelegt werden (Is 53, 4f.). Paulus macht die kühnen Aussagen, daß Christus „für uns zur Sünde“ (2 Kor 5,21), ja zum „Fluch“ (Gal 3,31) geworden ist; daß Er in Seinem Todesleiden „den wider uns lautenden Schuldbrief mit seinen Bestimmungen ausgelöscht und beseitigt hat, indem Er ihn an das Kreuz heftete“ (Kol 2,14). Als Lösepreis hat Er Sein „kostbares Blut“ (1 Petr 1,19) vergossen „für viele zur Vergebung der Sünden“ (Mt 26,28).

Wenn auch diese Vergebungstat für uns Menschen im Vordergrund steht, so dürfen wir doch nicht vergessen, daß „Christus sich für uns dahingegeben hat als Gabe und Opfer, Gott zu lieblichem Wohlgeruch“ (Eph 5,2). Der Kreuzestod des Sohnes steht also im Zeichen der Verherrlichung des Vaters. Auf dieses Opfer waren alle bisherigen Opfer hingeordnet, in ihm sind sie zusammengefaßt und überboten. Niemals wurde Gott vonseiten der Menschen eine solche Anbetung, solches Lob, solcher Dank und eine solche Sühne dargebracht wie vom Altar des Kreuzes aus.

 

Kreuzestod, Auferstehung, Himmelfahrt, Pfingsten bilden das eine Opfer Christi.

Der Kreuzestod Jesu ist nicht getrennt vom Geheimnis der Auferstehung, der Himmelfahrt und der Sendung des Heiligen Geistes zu sehen. Vielmehr gehören diese vier Ereignisse als Schritte und Teile eines einzigen Opfervorganges zusammen und erhalten von dorther betrachtet eine ganz neue Bedeutung:

-          Passion und Sterben: Darbringung und Zerstörung der Opfergabe.

-          Auferstehung: Bestätigung des göttlichen Wohlgefallens an der Opfergabe durch ihre Verklärung.

-          Himmelfahrt: Annahme der Opfergabe und ihre Aufnahme in die Ewigkeit.

-          Pfingsten: Göttlicher Gnadensegen als Antwort auf das Opfer und als dessen Frucht für uns.

Dieser Segen besteht vor allem in der „ungeschaffene Gnade“, nämlich dem Heiligen Geist selbst. Mit und in Ihm empfangen wir alle Heilsgaben: das Wirken des Heiligen Geistes in der Kirche (Lehrverkündigung, heilige Messe und Sakramente) und in unseren Seelen (Heiligmachende Gnade, helfende Gnaden, Gaben des Heiligen Geistes, besondere Geistesgaben und Eingebungen...). Alles das fließt letztlich aus dem Opfer des Herrn: Aus Seiner Fülle haben wir alle empfangen Gnade über Gnade! (Joh 1,16)

 

PBD