Pfarr-
und Wallfahrtskirche Mariae Geburt
Apostolat der Priesterbruderschaft St. Petrus
32. Die Sakramentalien
Alle Lebensbereiche des Menschen durchdringt der in Seiner Kirche
durch die Zeiten gehende Christus schützend und heiligend mit Seinem
Segen. Nicht nur die Menschen selbst, sondern auch die Schöpfung,
die ja der Nichtigkeit unterworfen ist, aber sehnsüchtig, in Seufzen
und Wehen auf die Vollendung harrt (vgl. Röm 8,18-23), empfängt aus
Seiner Fülle: Durch die Vollmacht der Kirche werden auch Geschöpfe
und vom Menschen verfertigte Dinge aus dem Herrschaftsbereich des
„Fürsten der Welt“ herausgenommen und einbezogen in die
Verherrlichung Gottes. Diese Ausdehnung des Heilswerkes in die
verschiedenen Dimensionen des Menschen und der Welt geschieht vor
allem durch die Sakramentalien.
Die Sakramentalien Finden sich im Alten Testament und im Wirken Jesu
vorgezeichnet.
Bereits die alttestamentlichen Riten, Waschungen, Besprengungen und
Segnungen sind klare Vorbilder für unsere Sakramentalien. Ähnliche
Gebräuche im Heidentum zeigen übrigens, daß solche
Zeichenhandlungen, denen eine bestimmte Wirksamkeit zugeschrieben
wird, offensichtlich zur leiblich-geistigen Natur des Menschen und
zu seiner Eigenart als religiöses Wesen gehören. Es ist nicht
erstaunlich, daß die Kirche auch von dort manche Elemente übernommen
und in den Dienst der wahren Gottesverehrung gestellt hat.
Wichtiger aber für das Verständnis der Sakramentalien ist das Wirken
Jesu Christi, der neben der eigentlichen Heils- und Erlösungsgnade
auch andere Wohltaten spendete: Er heilte Kranke, segnete Kinder,
trieb Teufel aus, segnete und vermehrte Speisen, beruhigte den
Seesturm, verhalf den Jüngern zu erfolgreichem Fischfang, wusch
ihnen die Füße u.v.a.m. Bei der ersten Aussendung der Apostel
verlieh Er ihnen Vollmacht über unreine Geister, Krankheiten und
jegliche Gebrechen (Mt 10,1). Die Kirche setzt diese Sendung fort,
indem sie Menschen und Dinge, die uns dienlich sind, segnet und
gegen die Nachstellungen des Teufels schützt.
Sakramentalien sind
Quasi-Sakramente, die kraft der Fürbitte der Kirche wirken.
Sie sind nicht wie die Sakramente einzeln von Jesus Christus,
vielmehr von der Kirche eingesetzt. Sie wirken auch nicht aus einer
von Gott in sie selbst gelegten Wirksamkeit, sondern bringen das,
was sie bezeichnen, auf die Fürbitte der Kirche hin hervor: Segen im
engen und weiteren Sinne, aktuelle, helfende und stärkende Gnaden,
Schutz vor den Einflüssen des Bösen, Weihe an Gott, um von Ihm in
Dienst genommen zu werden.
Spender der Sakramentalien ist eine dazu befugte Person (je nach
Grad der Handlung verschiedenen Ranges), die sich an den
vorliegenden kirchlichen Ritus zu halten hat. Wie bei den
Sakramenten kommt die Wirkung objektiv und unabhängig von der
Würdigkeit des Spenders zustande. Jedoch bringen größere persönliche
Frömmigkeit des Segnenden und intensivere Bereitung des Empfängers
ohne Zweifel ein höheres Maß an Fruchtbarkeit mit sich. Im Fall der
Beschwörungen ist die Disposition des Exorzisten sogar von höchster
Bedeutung für den Erfolg.
Manche Sakramentalien bereiten auf die Sakramente vor (so die der
Taufe vorausgehenden Riten, die Niederen Weihen) oder helfen, die
Sakramentsgnade zu bewahren (z.B. Weihwasser, das die in der Taufe
geheiligte Seele von läßlichen Sünden reinigt). Andere bewirken in
Nachahmung der Sakramente von Weihe und Ehe eine Standesheiligung,
so z.B. die Jungfrauenweihe und Mönchsweihe.
Die Sakramentalien unterteilen sich in Konsekrationen, Benediktionen
und Exorzismen.
Konsekration (Weihe):
Eine Person oder Sache wird durch Salbung unwiderruflich von Gott in
Besitz und Dienst genommen; sie erlangt dadurch eine Sakralität, die
nicht mehr ins Profane gewendet werden darf (z.B. Kirch- und
Altarweihe, Kelchkonsekration…).
Konstitutive Segnung:
Sie ist eine Unterart der Weihe, bei der eine Person oder Sache ohne
Salbung für den (öffentlichen oder privaten) Gottesdienst bestimmt
wird und dadurch eine bleibende Sakralität empfängt (z.B. Segnung
von Weihwasser, Meßgewändern, Kreuzen, Devotionalien…).
Gewöhnliche Segnung (Benediktion):
Über eine Person oder Sache wird ein rituelles Gebet gesprochen,
damit sie unter Gottes Schutz stehe. Wird die Segnung direkt über
einen Gegenstand gesprochen, dann gilt sie indirekt auch der Person,
die diesen in Gebrauch nimmt (z.B. Segnung von Personen, Häusern,
Tieren, Speisen, Fahrzeugen…)
Beschwörung (Exorzismus):
Eine Person oder Sache soll durch ein rituelles Gebet der Gewalt und
dem Einfluß des Satans entzogen werden. Manche Sakramente und
Segnungen sind mit Exorzismen verbunden, so die Taufe, die
Wasserweihe, die Weihe von Benediktusmedaillen. Der große Exorzismus
über besessene Person darf nur durch einen vom Bischof beauftragten
Priester vollzogen werden.
Drei Anmerkungen für den Sprachgebrauch:
1) Die Einzahl von „Sakramentalien“ heißt (das) Sakramentale.
„Die Taufe ist ein Sakrament, Weihwasser ein Sakramentale.“
2) Obwohl eigentlich die Segenshandlung und der Gebrauch des
gesegneten Gegenstandes das Sakramentale bilden, nennt man auch
den konstitutiv gesegneten Gegenstand selbst ein Sakramentale
(so z.B. Weihwasser, Bilder, Devotionalien).
3) In der deutschen Sprache benutzen wir auch für die
konstitutiven Segnungen den Ausdruck „Weihe“: Rosenkränze,
Kerzen, Medaillen werden geweiht, Fahrzeuge, Häuser, Äcker und
Speisen hingegen nur gesegnet.