Pfarr-
und Wallfahrtskirche Mariae Geburt
Apostolat der Priesterbruderschaft St. Petrus
DAS LEBEN DES Gottessohnes auf Erden
Unser christlicher Glaube ist kein System von abstrakten Lehrsätzen.
In seinem Zentrum steht eine Person: der menschgewordene Gottessohn
Jesus Christus. Es reicht uns daher nicht, unsere Zustimmung zu den
Wahrheiten des Katechismus zu geben. Vielmehr muß es uns ein
Herzensanliegen sein, unseren Herrn und Heiland immer besser
kennenzulernen. Paulus spricht von der „alles überragenden Kenntnis
Christi“, um dessentwillen er alles andere für „Kehricht“ erachtet
(Phil 3,8).
Der erste Abschnitt des Lebens Jesu fand in
der Verborgenheit statt.
Der Gottessohn wollte zuerst das gewöhnliche Leben der Menschen
heiligen. Das tat Er, indem Er alle Phasen der kindlichen
Entwicklung durchlief: Er war wie jeder von uns zunächst Säugling,
dann Kleinkind, Kind, Jugendlicher, schließlich ein junger
Erwachsener. Dabei entwickelte sich Jesus in leiblicher wie in
geistiger Hinsicht (vgl. Lk 2,52). Wie jeder andere Mensch lernte Er
das Sprechen, das Gehen, die verschiedenen Tätigkeiten des
alltäglichen Lebens. Auch wuchs Er in das religiöse Leben Seines
Volkes hinein und vollzog dessen übliche Bräuche (vgl. Lk 2,41-50).
Als junger Erwachsener hat Er für viele Jahre die handwerkliche
Arbeit Seines Pflegevaters ausgeführt.
Dieser erste Abschnitt des Lebens Jesu darf nicht als
unwichtig abgetan werden. Gerade durch Sein verborgenes Leben
bietet Er uns ein einzigartiges Vorbild der kindlichen Liebe,
der Demut, des Gehorsams, der Pflichterfüllung, der Heiligung
des Alltags und vieler anderer Tugenden.
Im öffentlichen Wirken offenbart Jesus Seine
göttliche Herkunft und Sendung.
Der eigentliche Inhalt der Sendung des Sohnes Gottes in die Welt
konnte allerdings nicht im Verborgenen ausgeführt werden. Jesus
mußte sich offenbaren. Schon Seine Geburt und vor allem die
Huldigung durch die Weisen aus dem Morgenland (Mt 2,1-12) zeigten
ja, daß Er kein gewöhnliches Menschenkind ist. Ebenso die Antwort
des Zwölfjährigen im Tempel: „Wußtet ihr denn nicht, daß ich in dem
sein muß, was meines Vaters ist?“ (Lk 2,49). In Seinem öffentlichen
Wirken aber sollte dann das, was vorher noch verborgen war, in
helles Licht treten. Besonders folgende Ereignisse sind hier zu
nennen:
-Sofort am Beginn des
öffentlichen Lebens Jesu steht die Offenbarung der Herrlichkeit
Gottes bei der Taufe im Jordan; hier wird Er als Sohn Gottes
und als Träger des Heiligen Geistes erwiesen (Mt 3,13-17).
-Anläßlich der Hochzeit zu
Kana zeigt Er – auf die Bitte Seiner Mutter hin – zum ersten Mal
Seine Wundermacht, und Seine Jünger glauben an Ihn (Joh 2,1-12).
Dieser „Anfang Seiner Zeichen“ setzt sich in einer langen Kette von
Machterweisen fort, die Ihn und Seine Sendung beglaubigen: „Blinde
sehen, Lahme gehen, Aussätzige werden rein, Taube hören, Tote werden
auferweckt, und den Armen wird die frohe Botschaft verkündet.“ (Mt
11,5)
-Bei der Verklärung auf dem
Berg dürfen die drei Apostel, die später Zeugen Seiner tiefen
Erniedrigung in Gethsemani sein werden, Christus für kurze Zeit in
Seiner Herrlichkeit schauen und (durch die Anwesenheit von Moses und
Elias) als Vollender des Gesetzes und der Propheten erkennen (Mt
17,1-8).
Zu allen diesen Zeichen treten die klaren Worte Jesu, mit denen Er
sich als Messias (= Christus) und als Sohn Gottes bezeichnet und
Seine tiefe Einheit mit dem Vater bekundet (z.B. Mt 11,27; Joh
14,9). Die Menschen, die Zeugen Seiner Wunder und Seines Anspruchs
wurden, kommen somit nicht um die Entscheidung herum: Entweder
handelt es sich bei Jesus um einen genialen und gotteslästerlichen
Betrüger oder tatsächlich um den verheißenen Messias, ja den Sohn
Gottes...
Jesus Christus – der Lehrer, Hirte und
Priester
Traditionell erblickt man im Wirken Jesu die drei Ämter des Lehrers,
des Hirten und des Priesters:
-In den vielen Reden und
Gleichnissen, in Antworten auf Fragen, aber auch in Seinem Tun
erweist Er sich als der Lehrer, der den Menschen Gottes
Wahrheit und den Weg des Heils kundtut. Einzigartig ist diese Lehre:
einfach und doch unfaßbar tief, anschaulich und zugleich
geheimnisvoll, von einzigartiger Schönheit und dabei heilig ernst!
-Jesus erfüllt die
alttestamentliche Prophezeiung, Gott selbst werde der Hirte
Seines Volkes sein, um die zerstreuten Schafe zu befreien und
zusammenzuführen (Ez 34,11f.). Als Guter Hirte gibt Er sogar Sein
Leben für die Schafe (Joh 10,11) und veranlaßt, daß auch nach Seinem
Tod für sie gesorgt werde.
-Durch die Vereinigung der
göttlichen mit der menschlichen Natur in Seiner Person ist Jesus
Priester, Mittler zwischen Gott und den Menschen. Von der
Ausübung dieses Priestertums in der Passion – vorwegnehmend bei der
Einsetzung der heiligsten Eucharistie, dann vollendend in Seinem
Opfertod und Seiner Auferstehung – wird später ausführlicher die
Rede sein.
Unser höchstes Bestreben sei es also, uns in das Leben Jesu zu
versenken. (Nachfolge Christi 1,1)