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Kinderbrief
Mai 2007
Liebes Kind,
vor einigen Wochen fuhr ich mit dem Auto durch Zürich. Es war ein
Samstag. Da bemerkte ich, dass in einem Gebiet der Stadt sehr viele
Männer unterwegs waren, die durch ihr Äusseres auffielen: Sie trugen
lange Bärte und schwarze Anzüge, dazu einen grossen Hut auf dem
Kopf. Ihre Frauen und Kinder fielen in ihrer festlichen, feinen
Kleidung auf.
Unverkennbar, das waren Juden. Weil der Samstag bei ihnen der
Sabbat, der heilige Tag der Woche, ist, deshalb hatten sie in der
Synagoge den Gottesdienst besucht und gingen nun wieder nach Hause.
Ich war beeindruckt davon, wie diese Menschen zu ihrem Glauben
stehen. Vor allen anderen bekennen sie sich offen als Juden.
Zugleich aber kamen mir auch traurige Gedanken:
Stelle Dir einmal vor, es steht jemand im Bahnhof und wartet auf
einen Zug. Doch der Zug ist schon längst dagewesen; ja, er hat vor
dem Menschen gehalten und seine Türen geöffnet, aber dieser ist
nicht eingestiegen. Und so wartet er noch immer.
Ähnlich ist es nämlich mit dem Volk der Juden. Gott hat es über
lange Zeit auf den Erlöser vorbereitet. Doch als Jesus dann kam,
erkannte Sein Volk Ihn nicht, sondern hat Ihn verworfen. Und so
warten die gläubigen Juden noch immer auf den Heiland.
Liebes Kind, wir müssen unendlich froh sein, dass wir an Jesus, den
Sohn Gottes, glauben dürfen. Das ist ein wunderschönes Geschenk, für
das wir gar nicht genug danken können.
Doch wollen wir die Menschen nicht vergessen, die den Erlöser nicht
kennen. Und hier denke ich eben vor allem an das Volk, aus dem Jesus
stammt. Ist das nicht ein ganz grosses Anliegen, für die Juden zu
beten, damit sie erkennen, wer der Messias, der Erlöser ist?
Hier gibt es einen wichtigen Unterschied zu der Geschichte von dem
Mann, der im Bahnhof auf die Eisenbahn wartet: Für die Juden ist der
Zug noch nicht abgefahren! Nein, Jesus lädt sie ein, endlich zu Ihm
zu kommen, in die Kirche einzusteigen und dem Himmel entgegen zu
fahren.
Im Monat Mai verehren wir die liebste und heiligste Frau aus dem
Volk Israel: Maria, die Mutter unseres Heilands, die Himmelskönigin.
Beten wir doch gemeinsam zu ihr für die Juden. Sie liegen ihr ganz
besonders am Herzen. Deshalb wird die Gottesmutter bestimmt bei
ihrem Sohn die Gnade erbitten, dass viele Juden Ihn erkennen. Dass
sie wie der Apostel Thomas nach allen Zweifeln doch Ihn anschauen,
Seine durchbohrten Hände und Füße und die geöffnete Seite. Und dass
sie vor Ihm niederfallen mit den Worten: „Mein Herr und mein Gott!“
Danke, dass Du so eifrig mitbetest! Segen und Gnade wünscht Dir und
Deiner Familie von Herzen
Dein
P. Bernward Deneke
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