Pfarr- und Wallfahrtskirche Mariae Geburt
Apostolat der Priesterbruderschaft St. Petrus



 

 

 

Die Gründung der Kirche

Am Ende des 22. (21.) Psalms, dieser Schilderung des Leidens Jesu bis in Einzelheiten hinein, schließt der Beter mit einem Ausblick auf die künftige Heilszeit, die sich hinter dem erschütternden Geschehen auftut: Er wird Gott loben inmitten einer großen Gemeinde; die Armen empfangen Speise und werden gesättigt; alle Enden der Erde bekehren sich zum Herrn, ihrem König, und „sie werden erzählen vom Herrn dem kommenden Geschlecht, Seine Gerechtigkeit künden dem Volk der Zukunft – es ist vollbracht!“ Aus der Passion Jesu Christi geht also die katholisch-weltumspannende Kirche hervor. Sie ist die Gemeinschaft, in welcher der Sohn, vereint mit den Menschen, Seine Verherrlichung des Vaters fortsetzt, in der den Bedürftigen das Brot des Lebens gereicht und die Überlieferung der Machttaten des Herrn weitergegeben wird.

 

Die Kirche ist bereits im Alten Testament auf vielfältige Weise verheissen worden.

Obwohl Gott sich bereits zur Zeit Abrahams Sein Volk erwählt hat, wird im Verlauf des Alten Bundes immer deutlicher, daß noch eine andere Zeit, ein neuer und „ewiger Bund“ (Is 55,3), bevorsteht. Einmal wird der beständige Abfall, die Treulosigkeit und „Hurerei“ Seines Volkes (vgl. Hos 2,4ff.) vorüber sein; Gott selbst nimmt sich dann als Gemahl Seines Volkes an und erbaut Jerusalem neu (Is 54, 4-17). Nicht mehr unwürdige, auf ihren eigenen Vorteil bedachte Hirten weiden das Volk Gottes, sondern Er selbst als der Hirte inmitten Seiner Herde (Ez 34,11ff.). Und alle Völker werden wallfahren zum Haus des Herrn auf Sion (Is 2,2).

 

Jesus hat in Seinem öffentlichen Wirken die Gründung der Kirche vorbereitet.

Schon vor Seinem Opfertod bahnte der Herr die Erfüllung dieser Verheißungen an. So weist die Berufung von zwölf Aposteln (Mk 3,13ff. u. par.) auf ein neues Gottesvolk mit neuen zwölf Stammvätern hin. Ihnen verleiht Er weitgehende Vollmachten, insbesondere dem Petrus, den Er zum Felsen der Kirche bestimmt und dem Er die Schlüssel des Himmelreiches, die Binde- und Lösegewalt übergibt (Mt 16,18f.; auch die anderen Apostel erhalten diese Vollmacht: Mt 18,18). An der Stellung zu den von Christus Erwählten und Gesandten wird sich entscheiden, wie man zu Ihm selbst steht: „Wer euch hört, der hört mich, und wer euch verachtet, der verachtet mich.“ (Lk 10,16) Daß die künftige Heilszeit und somit die Kirche nicht mehr auf das Volk der Juden beschränkt bleibt, sondern allen Völkern gilt, deutet Jesus verschiedentlich an (z.B. bei der Heilung der Tochter einer Syrophönizierin: Mk 7,24ff.). In Seinen Reden weisen Bilder wie das von der Stadt auf dem Berge (Mt 5,14), vom Weinberg Gottes (Mk 12,1ff.) sowie vom Schafstall und der Herde des Guten Hirten (Joh 10,1ff.) auf die Kirche hin.

 

Die Kirche ist empfangen und gebildet in Tod und Auferstehung Jesu.

Bei der Tempelreinigung fordern die Juden von Jesus ein Zeichen, damit Er beweise, daß Er solches tun darf. Seine Antwort: „Reißt diesen Tempel nieder, und in drei Tagen will ich ihn wieder aufrichten.“ Der Evangelist Johannes fügt erklärend hinzu: „Er redete aber von dem Tempel Seines Leibes. Als Er dann von den Toten auferstanden war, erinnerten sich die Jünger, daß Er dies gesagt hatte“ (Joh 2,19ff.). Damit hat der Herr den neuen Tempel angekündigt, der aus Seinem Opfer erstehen soll: Es ist Sein auferstandener Leib selbst! Dementsprechend bezeichnet Paulus (z.B. 1 Kor 12,12ff. u.a.) – und mit ihm die ganze christliche Tradition – die Kirche als den geheimnisvollen, mystischen „Leib Christi“.

Das Johannesevangelium, Kapitel 19, zeichnet die Empfängnis der Kirche im Geschehen des Opfertodes Jesu deutlich als eine dreifache Übergabe:

-          Vom Kreuz herab übergibt Jesus einander Seine jungfräuliche Mutter Maria, Inbegriff der ursprunghaft reinen, weiblich-empfangenden und mütterlichen Kirche, und den Liebesjünger Johannes, Träger der priesterlich-apostolischen Vollmacht (25ff.) – der Leib der Kirche entsteht;

-          sterbend „übergibt“ Er dieser marianisch-apostolischen Kirche den Geist (28) – sie wird beseelt;

-          und aus Seiner geöffneten Seite fließen Blut und Wasser (34), in denen Er Seiner Kirche die erlösende Fruchtbarkeit Seines Opfers übergibt – die Kirche wird belebt.

Nach Seiner Auferstehung bildet Jesus die Kirche weiter aus. Er verleiht den Aposteln mit dem Heiligen Geist die Vollmacht zur Sündenvergebung (Joh 20,22) und sendet sie in Seinem Namen aus in die Welt (Mt 28,18ff.), damit sie die Menschen zu Seinen Jüngern machen (Hirtenamt, Dienst der Leitung), sie taufen (Priesteramt, Dienst der Heiligung) und lehren, alles zu halten, was Er aufgetragen hat (Lehramt).

 

Das Werk der Kirche, grundgelegt im öffentlichen Wirken Jesu Christi und gebildet in den Geheimnissen des Todes und der Auferstehung, wird durch die pfingstliche Herabkunft des Geistes offenbar und tritt vor die Welt. Somit ist Pfingsten die eigentliche Geburtsstunde der Kirche.

 

PBD