Pfarr- und Wallfahrtskirche Mariae Geburt
Apostolat der Priesterbruderschaft St. Petrus

„GOTT EXISTIERT“

 Von P. Bernward Deneke

 

Das Dasein Gottes ist die Grundlage allen Glaubens. Wenn kein Gott existiert, hat auch ein religiöser Glaube keinen Sinn. Denn wie soll sich uns ein höheres Wesen, das gar nicht da ist, offenbaren und uns seinen Willen kundtun? Wie soll es von uns Glauben fordern und uns innerlich erleuchten?

Weil das Dasein Gottes die Voraussetzung für den Glauben bildet, deshalb kann es nicht selbst Gegenstand des Glaubens sein, sondern muß auch für die menschliche Vernunft erkennbar sein. Ansonsten hätte der Glaube keinen Anknüpfungspunkt im Menschen und würde gleichsam in der Luft schweben. Er könnte auch nicht verpflichtend für uns sein.

 

Atheismus

Die Leugnung der Existenz Gottes nennt man „Atheismus“. Sie begegnet uns hauptsächlich in zwei Formen:

-          Wissenschaftlicher Atheismus: Die Annahme eines höchsten Wesens ist durch den Fortschritt der Forschung überflüssig geworden; was Menschen früherer Zeiten als Hinweis auf göttliche Mächte angesehen haben, ist entweder schon von den Wissenschaften „entzaubert“ worden oder wird in der Zukunft eine Erklärung finden – man kommt also bestens ohne den Lückenbüßer „Gott“ aus!

-          Humanistischer Atheismus: Im Namen der Würde des Menschen, seiner Freiheit und Selbstbestimmung muß die Existenz eines Schöpfergottes abgelehnt werden; die Menschen sollen von dem Wahngebilde, das sie beherrschen und ihnen Vorschriften machen will, befreit werden. – Andere Variante: Die fürchterlichen Zustände in der Welt und die Ungerechtigkeiten unter den Menschen schließen die Existenz eines gütigen und allmächtigen Gottes aus; Dorothee Sölle (protestantische Theologin): „Nach Auschwitz ist es unmöglich, an einen Gott zu glauben, der alles so herrlich regieret...“

 

Der Atheismus gibt sich also wissenschaftlich und menschlich;

er bezichtigt den Gottesglauben der Unvernunft und Unmenschlichkeit.

 

Die Erkennbarkeit Gottes in der Heiligen Schrift

Im Alten und Neuen Testament wird demgegenüber nicht nur mit Selbstverständlichkeit an der Existenz Gottes festgehalten, sondern diese auch als Gegenstand der menschlichen Vernunft  dargestellt. Nur zwei besonders deutlich Beispiele:

„Toren waren ja von Natur schon alle Menschen, denen die Erkenntnis Gottes fehlte und die aus den sichtbaren Vollkommenheiten den Seienden nicht wahrzunehmen vermochten, noch bei der Betrachtung Seiner Werke den Künstler erkannten, sondern Feuer oder Wind oder die schnelle Luft, den Kreis der Gestirne oder das gewaltige Wasser oder die Leuchten des Himmels für weltregierende Götter hielten. Wenn sie, durch deren Schönheit entzückt, schon in diesen Dingen Götter sahen, so hätten sie doch wissen sollen, um wieviel herrlicher ihr Gebieter ist. Denn der Urheber der Schönheit hat sie ja geschaffen. Und wenn sie über deren Kraft und Wirksamkeit in Staunen gerieten, so mußten sie daraus schließen, um wieviel mächtiger ihr Schöpfer ist. Denn aus der Größe und Schönheit der Geschöpfe wird durch Vergleichung deren Schöpfer erschaut.“                                                                                          (Weisheit 13,1-5)

 

„Gottes Zorn enthüllt sich vom Himmel her über alle Gottlosigkeit und Ungerechtigkeit der Menschen, welche die Wahrheit in Ungerechtigkeit niederhalten. Ist doch, was sich von Gott erkennen läßt, in ihnen offenbar; Gott selbst hat es ihnen kundgetan. Denn Sein unsichtbares Wesen, Seine ewige Macht und Göttlichkeit sind seit Erschaffung der Welt an Seinen Werken durch die Vernunft zu erkennen. Sie sind daher nicht zu entschuldigen.“          (Römerbrief 1,18-20)

 

 

Diese und andere Stellen lassen keinen Zweifel daran, daß die Heilige Schrift

die Gotteserkenntnis als vernünftig und die Leugnung Gottes als töricht, ja böse betrachtet.

 

 

Die menschliche Vernunft vor der Frage nach Gottes Dasein

Zu allen Zeiten haben Denker Argumente für die Existenz Gottes dargelegt. Zu ihnen gehört der hl. Thomas von Aquin. In seiner Theologischen Summe stellt er in berühmt gewordenen „Fünf Wegen“ Gedankengänge dar, die von äußeren, objektiven Tatsachen ausgehen und sich von diesen her „rückläufig“ ihrem Ursprung zuwenden. Es wird geschlossen:

-          aus der Bewegung in der Welt auf einen ersten, unbewegten Beweger;

-          aus der Ursächlichkeit auf eine erste, selbst nicht verursachte Ursache;

-          aus der „Zufälligkeit“ aller diesseitigen Dinge (sie tragen den Grund für ihr Dasein nicht in sich selbst, könnten also genauso gut auch nicht sein) auf ein „notwendiges Sein“, das den Grund für sein Dasein in sich selbst trägt, also sein muß;

-          aus der Stufenordnung der irdischen Vollkommenheiten auf  ein höchstes Vollkommenes;

-          aus der Ordnung der Welt auf einen weltüberlegenen Ordner.

 

Diese Argumente entsprechen dem Verfahren der Gotteserkenntnis aus der sichtbaren Welt, das der hl. Paulus im Römerbrief nennt. Ihre Stärke liegt darin, daß sie die unmittelbar einsichtige Wahrheit „Aus nichts wird nichts“ auf objektive Tatsachen der äußeren Wirklichkeit anwenden.

 

Zu ihnen treten noch andere Überlegungen, die mehr das Innere des Menschen in den Blick nehmen. Es seien folgende genannt:

-          Der Mensch findet in sich und um sich eine moralische Ordnung vor, die er nicht selbst geschaffen hat und die ihn, auch wenn er es nicht will, zum Gehorsam ihr gegenüber mahnt (Stimme des Gewissens); also müssen wir eine oberste sittliche Instanz annehmen, von der diese Ordnung stammt und die von uns die Einhaltung fordert, uns gegebenenfalls für ein Zuwiderhandeln straft. Kurz: „Wenn es keinen Gott gibt, dann ist alles erlaubt!“ (Dostojewski)

-          Wir vernehmen in uns die Aufforderung, das Gute um seiner selbst willen zu tun, d.h. auch in dem Fall, wo es uns Nachteile und sogar den Tod bringt; das ist letztlich nur dann sinnvoll, wenn es eine Macht gibt, die dem Guten letzte Gerechtigkeit zukommen läßt.

-          Die Sehnsucht des Menschen geht nach dem unendlichen Glück, also nach etwas, das er weder je gesehen hat noch aus eigenen Kräften erreichen kann; folglich kommt man, will man das eigene Dasein nicht für völlig absurd halten, zu dem Schluß: Es muß jemanden geben, der uns sowohl diese Sehnsucht verliehen hat als auch die Möglichkeit ihrer Erfüllung bereitstellt.

 

Diese Argumente sind nicht Beweise im naturwissenschaftlichen Sinn, aber Einsichten und Aufweise,  deren Ausgangspunkt stimmig und deren Gedankengang folgerichtig ist.

Manche von ihnen scheinen in sich anfechtbar zu sein; zusammengenommen aber und bereichert durch eine staunende Wahrnehmung der Wirklichkeit, werden sie zu einem Tau, dessen Einzelfäden nicht alle von gleicher Stärke sind, das aber als Ganzes unzerreißbar ist.

 

Das kirchliche Lehramt

Das kirchliche Lehramt hat immer die Heiligen Schrift wie die menschliche Vernunft verteidigt. Mehrmals mußte es gegen Vertreter einer vernunftfeindlichen Richtung Stellung beziehen; diese behaupteten, der menschliche Geist sei ohne Offenbarung nicht in der Lage, die Existenz Gottes zu erkennen. Auf dem Ersten Vatikanischen Konzil (1870) hat die Kirche als Dogma verkündet:

 

„Gott, aller Dinge Grund und Ziel, kann mit dem natürlichen Licht der Vernunft aus den

geschaffenen Dingen mit Sicherheit erkannt werden, denn Sein unsichtbares Wesen läßt sich seit Erschaffung der Welt aus dem Geschaffenen deutlich erkennen (Röm 1,20). (...)

Wer sagt, der eine und wahre Gott, unser Schöpfer und Herr, könne mit dem natürlichen Licht der Vernunft durch das Geschaffene nicht mit Sicherheit erkannt werden,

der sei im Banne!“

 

Grenzen

Die Kraft unserer Vernunft führt uns zu einer sicheren Erkenntnis des Daseins Gottes. Sie zeigt uns Seine Weltüberlegenheit, Seine Weisheit, Gerechtigkeit und Allmacht. Zu den Geheimnissen des Glaubens aber (Dreifaltigkeit, Menschwerdung, Erlösung) können wir nur durch die Offenbarung im Glauben vordringen.