Pfarr-
und Wallfahrtskirche Mariae Geburt
Apostolat der Priesterbruderschaft St. Petrus
Der Abfall des Teufels und seines Anhangs
Der Erschaffung des Menschen und seinem Abfall von Gott liegt eine
Katastrophe im Reich der himmlischen Geister voraus. Wer die
Entwicklung im Leben der einzelnen Menschen wie der ganzen
Menschheit realistisch beurteilen will, muß diese Tatsache bedenken;
denn es zieht sich ja von der Rebellion der Engel aus ein
unheilvoller Faden durch die Geschichte, der vom Sündenfall der
Stammeltern durch das gesamte Alte und Neue Testament bis hin zu der
endzeitlichen Aufgipfelung des Kampfes von Licht und Finsternis
reicht. Allerdings sind unsere Erkenntnismöglichkeiten in diesem
Bereich sehr eingeschränkt. Mit Recht spricht die kirchliche
Tradition vom „mysterium iniquitatis“, vom „Geheimnis der Bosheit“,
bleibt es doch letztlich unbegreiflich, weshalb sich reine Geister,
die in reichem Maße mit Gottes Gaben beschenkt wurden, wissentlich,
willentlich und ein für allemal von ihrem Ursprung und Ziel, ihrem
höchsten Gut und ewigen Glück abwenden konnten.
Die abgefallenen Engel sind von Gott gut erschaffen worden.
Gegenüber der Meinung, Satan sei eine Art Gegengott, ein Prinzip des
Bösen von Anbeginn, ist festzuhalten: Auch er und sein Anhang sind
von Gott geschaffen, und so gilt auch von ihnen: „Gott sah alles,
was Er geschaffen hatte, und es war alles sehr gut.“ (Gen 1,31) Die
Tradition geht sogar davon aus, daß Lucifer ein besonders hoher –
wenn nicht der höchste – himmlische Geist war. Seine Natur und die
der anderen Dämonen bleibt auch nach dem Abfall von Gott ein
Meisterwerk des Schöpfers, das allerdings durch bösen Eigenwillen
verkehrt ist. „Die Verkehrung des Besten ist am schlimmsten“, sagt
ein Sprichwort.
Die Ursache für den Abfall liegt Allein im freien Willen der Engel.
Mit der Güte und Wahrhaftigkeit Gottes wäre es unvereinbar, daß Er
seine Geschöpfe durch eine schlechte Veranlagung oder durch äußere
Umstände zur Abwendung von Sich selbst bestimmt oder bewegt hätte.
Die Möglichkeit zum Bösen ist mit der Willensfreiheit, dieser
kostbaren Gabe Gottes, gegeben. Aber ein Mißbrauch spricht nicht
gegen den, der eine Gabe verleiht, sondern gegen den, der sie
empfängt und dann im schlechten Sinne gebraucht. Satan und sein
Anhang hätten anders gekonnt, wie an den übrigen Engeln (vermutlich
der weitaus größeren Zahl) deutlich wird, die Gott treu blieben.
Der Genaue Vorgang des Abfalls von Gott bleibt ein Geheimnis.
Offensichtlich handelte es sich um einen einzelnen Geist, der die
anderen mit sich in den Abfall von Gott gerissen hat (Mt 25,41: Das
Feuer ist „dem Teufel und seinen Engeln bereitet“).
Die Art des Aufbegehrens gegen Gott läßt sich erschließen aus der
Tatsache, daß Satan der „Sünder von Anbeginn“ (1 Joh 3,8) ist,
dieser Anbeginn der Sünde aber im Stolz liegt. Auch der Name des
Engels, der den Kampf wider die feindlichen Mächte anführt, weist
darauf hin: Michael = „Wer ist wie Gott?“. Demnach liegt die
satanische Rebellion also im Neid auf Gott; in dem Willen, Seine
Stelle einzunehmen; in der stolzen Verweigerung, sich Ihm zu
unterwerfen, Ihm zu dienen. Dem entspricht genau die Verführung der
ersten Menschen durch die Schlange (Gen 3,4f.: „Ihr werdet sein wie
Gott“).
Darüber hinaus spricht alles dafür, daß die Engelssünde in
besonderer Beziehung zum Geheimnis der Menschwerdung steht. Demnach
hätte Gott die himmlischen Geister dadurch geprüft, daß Er ihnen das
Geheimnis des Menschensohnes teilweise offenbarte. Sie erhielten
einen Einblick in die Tatsache, daß die zweite göttliche Person ein
Mensch werden sollte, ein Wesen also von niedrigerer Natur als sie
selbst. Weil sie den demütigen Gehorsam unter diesen Ratschluß und
die Anbetung eines Menschen als des „Herrn, durch den alles ist“
(1Kor 8,6) und „auf den hin alles (auch die Welt der Engel)
geschaffen ist“ (Röm 11,36), verweigerten, fielen sie von Gott ab.
Gemäß dem 12. Kapitel der Apokalypse richtet sich der Kampf Satans
gegen die Frau und ihr Kind, das die Völker regieren soll. Daher ist
es keinesfalls abwegig, den Abfall Lucifers auch mit Maria, die „zur
Königin der Engel“ werden sollte, in Verbindung zu bringen. Die
spätere Geschichte zeigt es überdeutlich...
Die Folge des Abfalls der engel ist ihre ewige Verdammnis.
Ausdrücklich heißt es im Evangelium, daß dem Satan und seinen Engeln
das Feuer der Hölle bereitet ist (Mt 25,41). Damit ist die
endgültige Verdammnis gemeint. Auch andere Stellen bezeugen dieselbe
Wahrheit (2 Petr 2,4: Gott hält die sündigen Engel in finsteren
Abgründen bewahrt; Jud 6: Die gefallenen Engel sind für den
Gerichtstag „mit ewigen Fesseln im Finstern verwahrt“.) Die Kirche
hat also mit Recht die Auffassung verurteilt, durch das
Erlösungswerk Christi gebe es eine Heimkehr auch Satans und seiner
Engel in den Himmel.
Durch ein Leben in liebendem Gehorsam mögen wir dorthin gelangen,
von wo die gefallenen Engel durch ihren Ungehorsam verstoßen wurden!