Pfarr-
und Wallfahrtskirche Mariae Geburt
Apostolat der Priesterbruderschaft St. Petrus
Der Gottmensch
„... Und an den einen Herrn Jesus Christus, Gottes eingeborenen
Sohn. Er ist aus dem Vater geboren vor aller Zeit, Gott von Gott,
Licht vom Lichte, wahrer Gott vom wahren Gott; gezeugt, nicht
geschaffen, eines Wesens mit dem Vater; durch Ihn ist alles
geschaffen. Für uns Menschen und um unseres Heiles willen ist Er vom
Himmel herabgestiegen; Er hat Fleisch angenommen durch den Heiligen
Geist aus Maria, der Jungfrau, und ist Mensch geworden.“ In der
traditionellen römischen Meßliturgie wird zu den letzten Worten
dieses Abschnitts aus dem Credo eine Kniebeuge gemacht. Ebenso beim
Schlußevangelium zu: „Und das Wort ist Fleisch geworden“ (Joh 1,14).
So unterstreicht die Kirche ihre ehrfürchtig-anbetende Haltung vor
dem unfaßbar hohen und tiefen Geheimnis der Menschwerdung Gottes.
Was aber ist damit gemeint?
Jesus existierte vor Seiner Empfängnis als
ewiger, wesensgleicher Sohn Gottes.
Diese Wahrheit, in der Theologie “Präexistenz” genannt, wird nicht
nur im Glaubensbekenntnis der Kirche ausgesprochen, sondern findet
sich in der Heiligen Schrift vielfach bezeugt. Nur einige Beispiele:
-Der Prolog des
Johannesevangeliums (1,1ff.) kündet von der Menschwerdung des
„Logos“, des göttlichen Wortes, das schon „im Anfang“, also in der
Ewigkeit Gottes, „bei Gott“ war.
-Im Galaterbrief spricht der hl.
Paulus davon, Gott habe in der Fülle der Zeiten Seinen Sohn (der
also bereits existierte!) in die Welt gesandt (4,4).
-Der berühmte Philipperhymnus
stellt uns die Demut Jesu vor Augen, „der in Gottesgestalt war“,
sich aber selbst entäußerte, Knechtsgestalt annahm und den Menschen
gleich wurde (Phil 2,6f.).
Die Heilige Schrift läßt für den Gläubigen keinen Zweifel an der
Präexistenz des Gottessohnes zu. Diese wurde denn auch von Anfang
des Christentums an als eine Grundwahrheit betrachtet
Das Kind der Jungfrau Maria ist auf
übernatürliche Weise empfangen worden.
Im ersten Kapitel des Matthäus- wie des Lukasevangeliums erfahren
wir, daß Jesus nicht auf dem Weg der menschlichen Zeugung entstanden
ist. Er wurde vielmehr „vom Heiligen Geist empfangen“ (Mt 1,18).
Weil der Heilige Geist über Maria kam und die Kraft des Höchsten sie
überschattete, deshalb wird das Heilige, das Maria zur Welt
bringt, Sohn Gottes genannt (Lk 1,35f.).
Es ist also unbiblisch, Seine Gottessohnschaft nicht im Sinne dieses
übernatürlichen Ursprungs zu verstehen, sondern in ihr nur einen
Ausdruck für die besondere Gottverbundenheit und prophetische
Sendung Jesu zu sehen, wie es manche Theologen der Gegenwart tun!
Jesus Christus ist wahrer Gott und wahrer
Mensch.
„Menschwerdung“ darf nicht so verstanden werden, als ob der Sohn
Gottes sich in Jesus gleichsam Seiner Gottheit entledigt hätte und
nur noch Mensch wäre. Ebenso falsch ist die entgegengesetzte
Auffassung, welche Seine Menschheit verkürzt und Jesus bloß als
menschliche Erscheinung Gottes ansieht.
Vielmehr lehrt uns der Glaube, daß die Person des ewigen Logos
zusätzlich zur göttlichen Natur eine menschliche Natur angenommen
und diese sich unvermischt geeint hat, so daß Jesus „wahrhaft Gott
und wahrhaft ein Mensch aus vernunftbegabter Seele und Leib ist, der
Gottheit nach dem Vater wesensgleich und der Menschheit nach uns
wesensgleich, in allem uns gleich außer der Sünde (Hebr
4,15)“ (Konzil von Chalkedon, 451). Seine Menschheit umfaßt also
alles, was einer vollständige menschliche Natur ausmacht:
-einen wirklichen Leib
(und nicht einen „Scheinleib“, wie die Irrlehre des Doketismus aus
falscher Ehrfurcht vor Gott und aus Verachtung des Leiblichen heraus
meinte behaupten zu müssen) und
-eine menschliche Seele.Zu dieser gehören:
-das menschliche
Erkenntnisvermögen (weshalb Jesus, trotz Seiner göttlichen
Allwissenheit, doch auch aus Erfahrung lernte und „an Weisheit
zunahm“, vgl. Lk 2,52),
-der menschliche Wille
(weshalb Er im Ölgarten beten konnte, nicht Sein, sondern des Vaters
Wille möge geschehen, Mt 26,39)
-und auch die typisch
menschlichen Gefühlsregungen (Jesus ist von Jubel erfüllt: Mt
11,25; Er zürnt: Mk 3,5; Er ist erschüttert und erregt: Joh 11,33;
Er weint: Lk 19,41; Joh 11,34; Hebr 5,7; Trauer, Betrübnis und
Todesangst kommen über Ihn: Mt 26,38; Lk 22,44 ...).
„Wir sagen, mit der ganzen menschlichen Natur sei die ganze
Wesenheit der Gottheit geeint. Denn nichts von dem, was der
göttliche Logos unserer Natur anerschaffen, hat Er weggelassen,
sondern vielmehr alles angenommen. Ja, ganz hat Er mich ganz
angenommen, und ganz hat Er sich mit dem Ganzen geeint, um dem
Ganzen das Heil zu spenden. Denn was nicht angenommen ist, das
kann auch nicht geheilt werden!“
(Hl. Johannes von Damaskus, Über den
rechten Glauben III,6)